Barthold Hornung

In Hamburg 1941 geboren, wuchs ich in einer klassisch musizierenden Familie in Kassel auf und sollte Geige lernen, was mir unter Verschleiß mehrerer Lehrer nur mäßig gelang und gerade noch für die Bratsche im Schulorchester ausreichte. Die Wanderklampfe, die ich mir selbst beibrachte, machte mir schon mehr Spaß, und der von der Mutter ungern gesehene Erwerb einer E-Gitarre brachte mich zu Improvisationsversuchen mit Nachbarn. Der Versuch, im Jazzklub in Kassel mitzuspielen, führte anfangs dazu, dass man mit dem Kommentar „üben kannste auch zuhause“ den Stecker des Verstärkers zog. Aber dann kam ich zufällig mit einem Kontrabass in Kontakt und war so fasziniert, dass ich mir das Musizieren damit auch selbst beibrachte. Das war kurz vorm Abitur, ich ging dann als Medizinstudent nach Marburg und verdiente mein Studium autodidaktisch mit Jazz und Tanzmusik. In Kassel wurde ich sozusagen der Stammbassist im schönsten Jazzklub Europas, der Orangerie, Dessen Chef Hans Hämer mich mit Musikern wie Joe Pentzlin, Gunter Hampel, Allan Praskin und Jimmy Jackson zusammenbrachte. In Marburg, auf Tourneen in Frankreich, Marokko und Nigeria spielte ich Oldtime Jazz mit der New College Six und später mit verschiedenen Formationen in Deutschland auch moderneren Jazz. Ob Eddie „Cleanhead“ Vinson den 2.Platz im US Jazz-Poll als Altsaxofonist nach 2 Deutschland-Tourneen mit unserem „Joe Pentzlin Trio“ wegen oder trotz unserer Zusammenarbeit geschafft hat, weiß ich nicht. In Paris durfte ich mehrfach mit André Persiany im Trio spielen Die Frankfurter Jazzer Gustel Meier und Emil Mangelsdorff holten mich oft für ihre Konzerte in die Rhein-Main Gegend. Mit dem Jazz in den USA verbinden mich Auftritte in Harrisburg und Pottsville mit Musikern wie Paul Miller und Andy Gravish, diese „Pennsylvania-Marburg Connection“ trifft sich auch seit 20 Jahren in Marburg. Die „Open Stage“ in der Cavete sieht mich montags seit über 35 Jahren, und endlich habe ich seit 3 Jahren bei der Marburger Bigband „White Keys“ auch ein bisschen Noten lesen gelernt. Dass man allerdings (hier wieder ohne Noten) die musikalische Qualität und Feinheiten der Jazzmusik durch regelmäßiges Proben wesentlich steigern kann, habe ich mit „Six on Seven“ erfahren.